A K T U E L L

Liebe Freundinnen und Freunde der Kammermusik Homburg

Nun ist der letzte Ton verklungen und wir blicken auf die Kammermusiktage 2021 zurück.

Trotz Pandemie Vorschriften hatten wir großes Glück, - und immer ein volles Haus! Tim Vogler hatte auch wieder ein besonders interessantes Programm zusammengestellt:

Da war der Pianist Alexey Gorlatch, der mit seiner Sensibilität und Virtuosität alle begeistert hat, da gab es das Streichquintett mit Pauline Sachse.

Am Tag darauf zeigte uns das Erlendis Quartett, was alles mit einer Gitarre möglich ist: von Bach-Interpretation, Regenwaldwassertropfen und Sting war alles enthalten.

Eine völlig neue und unbekannte Variante war am Mittwoch Viviane Chassot mit ihrem Akkordeon. Sie zeigt, dass Bach einfach noch einmal ganz anders klingen kann – faszinierend!

Nach dem Besuch in der Schule wurde mit Oliver Triendl und dem Malion Quartett (Schüler von Tim Vogler) auch Unbekannteres dargeboten.

Tags drauf jazzte das Lörscher Trio - auch zusammen mit dem Vogler Quartett!

Und schließlich konnten wir zum Schluss Mozart genießen und das gewaltige Oktett von Enescu erleben.

Man ging vergnügt nach Haus und freut sich schon aufs nächste Jahr.

Auch als Verein stehen wir dank der Mitglieder (es gibt neue) und Sponsoren gut da!

Wir sind mit dem Jahr zufrieden.

Kammermusikfreunde Saar-Pfalz e.V.

Für den Vorstand: Sibylle Kößler, Erste Vorsitzende

 

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Zur Auffrischung Ihres Detail-Gedächtnisses:

Die "letzte Kritik"

Mit der traditionellen Abschieds-Matinee endeten am Sonntag die Internationalen Kammermusiktage Homburg.

Zuvor waren es am Freitag wieder künstlerische Gäste des Vogler Quartetts, die besondere Akzente setzten. Der aus Bayern stammende Pianist Oliver Triendl liebt das Außergewöhnliche wie etwa das 1914 entstandene Klavierquintett op. 28 des zu Unrecht fast vergessenen russischen Komponisten Georgi Catoire (1861-1926). Im Vogler Quartett fand er begeisterte Mitstreiter, mit ihm die spätromantischen, mal schwelgenden, mal schwebenden Harmonien und Melodien mit hörbarer Nähe zu Rachmaninow und Skrjabin dem völligen Vergessen zu entreißen. Nach den kraftvoll musizierten, bisweilen geistvoll-launigen Einfällen im Finalsatz war der Beifall im Saalbau riesig.

Ein kostbarer Gewinn für die Konzertwoche war auch das jugendliche, erst drei Jahre alte Malion Quartett mit seinem Primarius Alexander Jussow, mit Jelena Galic (2. Violine), Lilya Tymshyshyn (Viola) und Bettina Kessler (Cello). Mit verdichteten und aufgelichteten Klangflächen verwandelten sie das 1976 entstandene Streichquartett „Ainsi la nuit“ (So die Nacht) des französischen Komponisten Henri Dutilleux (1916-2013) in traumhafte, zuweilen traumatische Höreindrücke. Ähnlich mutig widmeten sie sich nach der Pause den nahtlos ineinander klingenden Formabschnitten im späten Quartett cis-Moll op. 131 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Der Streit der Analysten, ob es vier, fünf oder gar sieben Formteile seien, kümmerte die jungen Streicher wenig, als sie dem zentralen vierten Satz ihre ganze Kantabilität und Variationskunst widmeten und nach dem energiegeladenen Finalsatz die vielen Bravos und Herausrufe sichtlich genossen. Unglaublich!

Der jüdische Komponist Alexandre Tansmann (1897-1986) aus dem polnischen Lodz wurde vom Rassenwahn der Nazis durch halb Europa bis in die USA gejagt. Sein in den langsamen Episoden gedämpft klingendes 4. Streichquartett entstand 1935 in Paris. Das Vogler Quartett entriss es am Samstag dem völligen Vergessen und das Publikum dankte es ihm nach dem wirbelnden Tanz im Finalsatz mit herzlichem Applaus.

Dann bebte, besser swingte der Saalbau zum wiederholten Mal unter den New Jazz Explorations des Freiburger Jazz Trios und des Vogler Quartetts. Helmut Lörscher war allgegenwärtig als intelligenter, in Jazz-Harmonik beschlagener Arrangeur, als humorvoller Moderator der Programmfolge, aber auch als fingerflinker Zauberer auf den Flügeltasten. Von dort aus steuerte er den schier orchestralen Background des Vogler Quartetts in der Uraufführung seiner vor zwei Jahren entstandenen Sonata à tre, die erstaunlichen Riffs seines Kontrabassisten Bernd Heitzler und auch die unglaubliche Gewandtheit seines neuen Schlagzeugers Harald Rüschenbaum. Der bot auf seinem Drum Set unglaubliche Finessen rhythmischer und klanglicher Art. Das war kein verräucherter Kneipen-Jazz, sondern hoher Respekt vor einer afro-amerika-nischen Kunst, der neben der schwarzen Rhythmik auch die satztechnischen Einflüsse Europas freilegte. Nach der „Silver City“, einer Liebeserklärung an Freiburg i. Br. nach Art des Tango Nuevo, nach einer von Schönbergs Zwölftonmusik inspirierten „Passacaglia“ kleidete Helmut Lörscher auf Zurufe aus dem Publikum Dave Brubecks „Take Five“ und den Beatle Song „When I’m Sixty-Four“ in Klanggewänder nach Chopin und Strawinsky und ließ diesen Kostümball köstlich grooven und swingen. Das aufgekratzte Publikum im Saalbau konnte nicht genug davon bekommen und ging erst nach einem „Hochzeitsliedchen“ von Mendelssohn in Lörscher-Art „beswingt“ nach Hause.

Die Sonntagsmatinee begann mit dem letzten Streichquintett Es-Dur KV 614 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Das Malion Quartett mit seinem Mentor Tim Vogler an der 2. Viola lud zu einem Jagdvergnügen ein, mit Pferden und Meute im Kopfsatz, mit der graziösen Gavotte des Andante zu friedlicher Rast in grüner Idylle, dem sich als Menuett eher ein Ländler-Tänzchen im Freien anschloss, bevor das Wild in den Fugato-Couplets des Schluss-Rondos vor der Jagdgesellschaft ins Dickicht floh. Als das heiter-launige Werk im April 1791 entstand, dachte sein Schöpfer im Traum nicht daran, dass er acht Monate später nicht mehr leben würde.

Das 45 Minuten dauernde Streicheroktett C-Dur op. 7 ist ein Geniestreich des 19jährigen George Enescu (1881-1955). Aber auch seine Wiedergabe zum Finale des Festivals mit dem Vogler und Malion Quartett war durch alle zehn Formteile bis zur aufgetürmten finalen Walzerapotheose einfach grandios!

Paul O. Krick

 

Und eine Information von SR 2 KulturRadio

Das Konzert vom 27. September mit Alexej Gorlatch senden wir am Mittwoch, 27. Oktober, 20.04 Uhr auf SR 2 KulturRadio.

 Vogler Quartett - Pauline Sachse, Viola - Alexej Gorlatch, Klavier

 Wolfgang Amadeus Mozart, Streichquintett C-Dur KV 515

 Frédéric Chopin, Etudes op. 10 – Nr. 1-4

 Ludwig van Beethoven, Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58 (Bearbeitung für Klavier und Streichquintett)

 Das Konzert vom 29. September ist dann voraussichtlich am Mittwoch, 8. Dezember, 20.04 Uhr an der Reihe.

 Musik für Akkordeon und Streichquartett - Viviane Chassot, Akkordeon - Vogler Quartett

 Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach, Antonin Dvorák, Joseph Haydn und Astor Piazzolla

 

... und für die Freunde der Jazz-Musik:

 Helmut Lörschers Komposition "Silver City" ist als Filmmusik zu einer Dokumentarsendung des Bayrischen Rundfunks über den Fußballer Karlheinz Rummenigge ausgesucht worden. Sie wird am Sonntag, 14.11.2021, um 21.45 Uhr gesendet.