Donnerstag, 29.9.

  • Datum: 29.09.2016
  • Uhrzeit: 20:00
  • Ort: Musikschule Homburg
Baglama

Donnerstag, 29.9.

Komponistenporträt Taner Akyol

Taner Akyol, Baglama

Taner Akyol Trio und Vogler Quartett

u.a. zweite Aufführung des für das Vogler Quartett geschriebenen Stücks "Berkin", in der Gesamtfassung erstmals aufgeführt im Berliner Konzerthaus am 13.2.16

Drei Tage nach dem Tod des 15-jährigen Berkin Elvan, der infolge von Polizeigewalt während der Ausschreitungen im GeziPark im Sommer 2013 – ein Tränengasgeschoss hatte ihn am Kopf getroffen – neun Monate im Koma lag und starb, behauptet der türkische Regierungschef, dieser sei ein Terrorist gewesen. Damit stieß Erdogan die Familie Elvan und Hunderttausende Menschen, die um den Jungen trauerten vor den Kopf. Der Vater, Sami Elvan, ein Textilarbeiter berichtet, sein Sohn habe lediglich Brot holen wollen. "Er ist ein friedliebender Junge, der mit den Gezi-Protesten überhaupt nichts zu tun hat, wir sind keine sehr politischen Menschen."Taner Akyol war in den Tagen der gewaltsamen Auseinandersetzungen zu einem Konzert in seine Heimat gereist. Er hat die Demonstrationen und den Tränengaseinsatz selbst miterlebt. Im Januar fokussierte er diese Geschehnisse in seinem Werk "Drei Bäume im Taksim und die Banditen" in einem schonungslosen Licht. Als Akyol den Kompositionsauftrag für die EUROPÄISCHEN WOCHEN PASSAU erhielt, lag Berkin immer noch im Koma. Ihm wollte er die Komposition widmen, die auf einer anatolischen Makam-Tonleiter basiert. Im ersten Bild zeichnet Akyol das Bild der lebendigen Kindheit eines energiegeladenen und unbekümmerten Jungen. Im zweiten Satz nähert Akyol sich dem Traumazustand des Komas. Das Ende des Werkes, sein Wunschende, das Erwachen des Jungen nach der langen, quälenden Zeit der Ungewissheit, hatte er am Abend des 10.März bereits im Kopf. Am Tag darauf wollte er an die Ausarbeitung gehen. An diesem Tag erlag der Junge seiner Schussverletzung. Schwer ist Taner Akyol die Entscheidung gefallen, ob Berkin Elvan nicht doch in der Musik ein Weiterleben finden sollte. Der Finalsatz zeigt beinahe einstimmig und von traditionellen alevitischen Motiven durchwebt, die ungeschönte Realität.

Ort

Musikschule Homburg