Prof. Eckart Altenmüller
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    Professor Eckart Altenmüller, Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin  -  Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Prof. Eckart Altenmüller

Professor Eckart Altenmüller ist seit 1994 Direktor des Institutes für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Nach dem Medizinstudium in Tübingen, Paris und Freiburg und dem zeitgleichen Musikstudium an der Musikhochschule Freiburg promovierte er 1983 über die Gangentwicklung bei Kleinkindern. Während der Assistenzzeit in der Abteilung für klinische Neurophysiologie in Freiburg entstanden die ersten Arbeiten zur Hirnaktivierung beim Musikhören. Von 1985 bis 1994 absolvierte Prof. Altenmüller an der Universität Tübingen die Facharztzeit für Neurologie und habilitierte sich 1992 im Fach Neurologie.

Seit der Berufung nach Hannover ist die Erforschung der Wirkungen von Musik ein zentrales Thema. Im Jahr 2005 wurde er zum Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften ernannt. Im Jahr 2013 erhielt er den Wissenschaftspreis des Landes Niedersachsen.

Seit 2015 ist er Vizepräsident der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

 

Eckart Altenmüller im Gespräch mit Gernot Feifel

Herr Prof. Altenmüller, was sind Ihre ersten Erinnerungen an Musik?

Meine erste Erinnerung an Musik ist das Musizieren meiner älteren fünf Brüder und zwei Schwestern. Ich bin zu Hause mit Musik groß geworden.  Alle Geschwister spielten Klavier, einige auch ein zweites Instrument.

Wie kamen Sie zum Flötenspiel und wer waren Ihre Lehrer?

Die Flöte faszinierte mich, als ich einen älteren Schüler beim Schulkonzert das Konzert von Pergolesi spielen hörte. Ich war damals zehn Jahre alt und wollte sofort anfangen. Leider musste ich warten, bis die zweiten Zähne da waren.

Meine Lehrer waren in Rottweil Rose Albicker, in Tübingen Dorothee Bonhoeffer, in Paris Christian Larde, und in Freiburg Aurele Nicolet und William Bennet.

Die oft zitierte „Liebe zur Musik“, ist sie angeboren oder entwickelt sie sich durch Hören oder Vorbilder?

Die Liebe zur Musik ist zur Hälfte vermutlich angeboren, die andere Hälfte bestimmen Eltern, Klassenkameraden, Geschwister und Freunde.

Mit welchen Methoden kann man die Wirkung von Musik auf unser Gehirn beobachten bzw. messen?

Heute verwenden wir die funktionelle Kernspintomographie, aber man kann auch mit dem Elektroenzephalogramm die Musikwahrnehmung und -produktion gut messen.

Gibt es spezifische Änderungen durch Musik in unserem Zentralorgan oder sind sie ein generelles Phänomen von Lernvorgängen?

Wir haben spezifische Veränderungen: Pianisten und Geiger haben eine größere Handregion für die linke Hand als Nicht-Musiker. Der Balken, die Verbindung zwischen beiden Hirnhälften, ist bei Musikern ausgeprägter. Und dann gibt es noch zahlreiche spezifische Veränderungen: etwa die vergrößerte Fußregion von Organisten etc.

Wie kommt es zu den teilweise starken Reaktionen wie z.B. dem „Gänsehauteffekt“ beim Musikhören?

Musik wirkt vorsprachlich auf emotionale Systeme. Vermutlich ist das ein sehr altes emotionales Kommunikationssystem, das bereits vor der Sprache im Menschen angelegt war. 

Bleiben die durch Musikhören und Musizieren bewirkten Veränderungen bestehen?

Im Moment bleiben sie zwar bestehen, aber wir wissen nicht, wie lange sie bestehen bleiben.

Ein wichtiger Bereich Ihrer Forschung ist der Bereich von Musik bei der Rehabilitation von z. B. bei Patienten nach Schlaganfall. Welche neurologischen Defizite lassen sich durch Musiktherapie beeinflussen und damit verringern?

Die neurologische Musiktherapie eignet sich bei Störungen der Motorik nach Schlaganfällen und bei Parkinson. Darüber kann die „Melodic Intonation Therapy“ bei Aphasien sehr nützlich sein. Natürlich ist die Musiktherapie nur adjuvant und kann Medikamente etc. nicht ersetzen.  

 

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