Grußworte

 

Grußwort

Anke Rehlinger

Ministerpräsidentin des Saarlandes

 

Liebe Freunde der Klassik

Internationale Kammermusiktage Homburg 2022

Seitdem das Vogler Quartett die Kammermusiktage Homburg vor über 30 Jahren ins Leben gerufen hat, begeistert diese Konzertreihe Jahr für Jahr die Freundinnen und Freunde klassischer Musik. Mit ihrem anspruchsvollen Programm haben sich die Kammermusiktage zu einem Markenzeichen der besonderen Klangkunst im Saar-Pfalz-Kreis entwickelt, die mittlerweile auch grenzüberschreitend für das Saarland als attraktiven Kulturstandort werben.

Auch in diesem Jahr beeindrucken die Kammermusiktage mit einem vielfältigen Konzertangebot, das für jeden Geschmack etwas bereithält: Die Klassiker wie Mozart, Brahms, Schubert und Beethoven finden ebenso ihre Würdigung wie modernere Komponisten, darunter Arnold Schönberg, Richard Strauss und Dmitri Shostakovich. Zudem spielt die Förderung des musikalischen Nachwuchses traditionell eine wichtige Rolle bei diesem Kammermusikfestival. Unter dem Motto „Rhapsodie in School“ wird die klassische Musik Schülerinnen und Schülern nähergebracht, ein tolles Projekt, das den Musikunterricht lebendiger und kurzweiliger macht. 

Mein besonderer Dank gilt den Organisatorinnen und Organisatoren des Festivals, die mit großem Elan und Leidenschaft dieses herausragende Musikereignis alljährlich auf die Beine stellen. Allen Künstlerinnen und Künstlern wünsche ich einen erfolgreichen Auftritt bei den Internationalen Kammermusiktagen in Homburg.  Ich bin sicher, dass auch in diesem Jahr hochkarätige Ensembles sowie Solistinnen und Solisten auftreten und ihr Publikum verzaubern werden, heiße alle Besucherinnen und Besuchern in Homburg herzlich willkommen und wünsche ihnen viel Freude mit dem ansprechenden Festivalprogramm.

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Für das Vogler Quartett

 

"Es ist kein Scherz, Musik zu schreiben. Tiefe ist dazu nötig: Eine Art Mystik" (Henri Duttilleux)

 

Liebe Kammermusikfreunde,

die Zeiten ändern sich doch. Dinge sind in Bewegung.

Es gibt begründete Hoffnung auf neue und dauerhafte Perspektiven. Auf alte und neue kulturelle Vielfalt. Und Musik ist als verbindende und kommunikative Kunst mit universeller Sprache dabei ganz besonders wichtig! Wir freuen uns sehr, Ihnen auch in diesem Jahr ein außerordentlich farbiges Programm präsentieren zu können. Uns zur Seite stehen als Gäste wieder langjährige Weggefährten und neue musikalische Partner.

So hat sich mit dem Saxophonisten Christian Segmehl in den letzten Jahren eine musikalische Freundschaft entwickelt.

Neu ist die Bekanntschaft mit gleich zwei Cellisten ganz unterschiedlicher Prägung. Der finnische Künstler Arto Noras genießt als Solist und Pädagoge Weltruf und ist darüber hinaus begeisterter Kammermusiker. Wir freuen uns auf die gemeinsame Erkundung des Schubert Quintetts. Und Lucas Fels ist Cellist im weltberühmten Arditti Quartett. Er lehrt wie Tim Vogler in Frankfurt an der Hochschule, dort kennen und schätzen beide sich auch gemeinsam auf der Bühne.

Die international bekannte Bratschistin Andra Darzins ist langjährige musikalische Partnerin unseres Quartetts, dazu hoch geschätzte Kollegin von mir an der Stuttgarter Hochschule und zum wiederholten Mal in Homburg dabei.

Klaus Paier ist als Akkordeonist in der europäischen Jazz-Szene bekannt. Seinen Duo-Partner Florian Dohrmann am Kontrabass kennen wir als Musiker des Orlowski-Trios. Beide werden mit ihrem Konzert einen sicherlich besonderen Höhepunkt setzen.

Mit der Einladung des Trios Hannari führen wir unsere Reihe mit jungen Preisträgern fort. Die Musikerinnen Hanna Ponkala, Larissa Nagel und Rie Kibayashi studieren in Frankfurt/Main und stehen am Beginn ihrer Karriere.

Last but not least - der Pianist Dirk Mommertz, Mitglied im Fauré Quartett, ist ein Kammermusiker von besonderem Rang.Wir kennen uns von der Arbeit mit jungen Ensembles beim International Chamber Music Campus der Jeunesses Musicales auf Schloss Weikersheim.

 

Die Kammermusiktage beginnen heiter, feingliedrig und doch energetisch mit Beethovens Streichquartett op. 18 Nr. 2.

Das 1925 komponierte Saxophonquintett von Adolf Busch ist von einzigartiger Klanglichkeit. Spätromantisch, empfindsam und lyrisch, mit reger’schem Witz und burlesker Kraft verzaubert es in der seltenen Kombination von Saxophon und Streichquartett.

Schuberts Streichquintett ist so berühmt wie modern, Musiker und Publikum stehen immer wieder staunend vor diesem einzigartigen und herausfordernden Werk.

Mendelssohn zeigt im Streichquartett a-Moll op. 13 seine Auseinandersetzung mit den späten Streichquartetten von Beethoven, dies bis in die Notation hinein. Er zitiert einzelne Elemente, kopiert aber nicht, sondern findet in diesem Kontext seinen eigenen Stil. Das Werk ist liedhaft, voller Brio und Überschwang, dazu von unglaublichem Drive.

Die Sonate für Altsaxophon und Violoncello von Edison Denisov entstand 1994. Im letzten Satz des virtuosen Stückes kommen auch Jazz-Elemente zum Vorschein.

Edvard Moritz emigrierte 1937 aus Deutschland in die Vereinigten Staaten und konnte in NewYork eine zweite Karriere aufbauen. Sein Quintett mit Saxophon ist eine reizvolle Ergänzung des Repertoires.

Der Abend des Duos Paier-Dohrmann kombiniert Originalkompositionen für Akkordeon und Kontrabass mit Bearbeitungen von berühmten Werken. Es entsteht ein einzigartiger Mix aus Stilen und Klängen, Meditation und Virtuosität.

Das Trio Hannari vereint in seinem Konzert drei Erstlingswerke zu einem grandiosen Programm. Beethoven, Schostakowitsch und Brahms, hier alle drei noch jung, komponierten nichtsdestoweniger mit diesen Stücken Meilensteine der Gattung.

Ein komplettes Konzert mit Streichsextett: Diese Gattung der erweiterten Kammermusik bietet unendlich viele Möglichkeiten. Weniger die fast orchestrale Masse steht an diesem Abend im Vordergrund als vielmehr Transparenz und Vielschichtigkeit.

Das Werk von Strauss, eine Bühnenmusik aus der Oper „Capriccio“, kommt federleicht, hochsensitiv fließend daher.

Salvatore Sciarrino arbeitet in seinem Werk mit Klängen, Farben, Obertönen und mit Stille.

Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ ist im Grunde die Vertonung eines Gedichtes. Musikalisch beeindruckt das Werk als ein Gipfel spätromantischer Entwicklung.

 

Das letzte Konzert in diesem Jahr wird ein Feuerwerk: Musizierfreude, verschiedene Stile und Besetzungen versprechen einen tollen Abschluss der Kammermusiktage:

Zoltán Kodály ist bekannt für seine Affinität zur Volksmusik. Dies zeigt sich auch im Duo op. 7, das gleichzeitig seine Forschungen zur Pentatonik spiegelt.

Die Musik von Alexej Igudesman ist ein großer Spaß, klug gemacht, musikantisch-virtuos und sehr wirkungsvoll. Und in diesem Fall sogar für zwei Bratschen.

Mozart hat die Gattung Klavierquartett nicht nur erfunden, er schuf auch zwei unvergleichliche Meisterwerke. Sein Es-Dur Quartett KV 493 zeigt sich spielfreudig, opernhaft und konzertant.

Das Schlussstück, Schönbergs „Die Eiserne Brigade“, wurde komponiert als Marschparodie für einen Kameradschaftsabend beim Militär, es handelt sich also um einen ebenso eisernen wie derben Spaß.

 

Auch eine Schule wird unser Quartett in diesem Jahr wieder besuchen. Es ist immer wieder eine Freude, auch für ganz junges Publikum zu musizieren.

 

Ich wünsche uns allen anregende Konzerte und Begegnungen!

Herzlichst, für das Vogler Quartett

 

Ihr Stefan Fehlandt

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Kammermusikfreunde Saar-Pfalz  -  Geleitwort:

Musik und Politik –  nicht unbedeutend in diesen unruhigen Zeiten. Auch das Homburger Festivalprogramm könnte Bände sprechen, wenn man genauer hinschaut.

Etwa bei Richard Strauss‘ Streichsextett: Vor 80 Jahren, am 28. Oktober 1942 wurde seine Oper „Capriccio“, aus der das Sextett stammt, in München uraufgeführt, musikalische Konversation mitten im Krieg.

Der Kammermusikführer der Villa Musica zählt auf, was an diesem Tag sonst noch geschah:  „Deutsche U-Boote torpedieren im Nordatlantik einen amerikanischen Konvoi und versenken zwei Schiffe. Der erste Transport von 2000 Juden aus Theresienstadt kommt in Auschwitz an; fast alle werden noch an diesem Tag sterben…. In Salzburg wird der österreichische Kommunist Franz Amberger zum Tode verurteilt.“ 

1942 war Adolf Busch, von dem im Festival ein Quintett für Saxophon und Quartett zu hören ist. längst in England. Er war weltberühmt, aber ein erklärter Gegner der Nazis. Die Nationalsozialisten wollten ihn zurückzugewinnen. Er schrieb zurück, "mit Freuden" werde er an dem Tag zurückkehren, "wenn Hitler, Goebbels und Göring öffentlich gehängt werden“.

Ein anderes Quintett mit Saxophon stammt  von Edvard Moritz, der als Jude von den Nazis Berufsverbot erhielt und Ende der 30er Jahre in die USA emigrieren konnte.

Auch Arnold Schönberg war Jude, und ihm wurde von den Nazis seine Berliner Professur entzogen und auch er musste emigrieren.

Verboten im 3. Reich war auch Felix Mendelssohn Bartholdy, weil er Jude war.

Schostakowitsch allerdings hatte im Stalinismus zu leiden, in den Jahren, in denen unzählige Künstler verfolgt, gefoltert und getötet wurden.

Russische Künstler sind heute in ganz anderer Weise betroffen; sie werden generell unter Verdacht gestellt oder russische Musik wird ganz vom Programm gestrichen. Alexander Igudesman, dessen Violinduo im Abschlusskonzert gespielt wird, hat jetzt dazu Stellung bezogen.  Auf Facebook schrieb er: “Die Programmierung russischer Musik einzustellen und russische Musiker und andere darstellende Künstler abzusagen, unabhängig davon, ob sie Erklärungen abgeben oder nicht, ist zutiefst rassistisch und von Natur aus kurzsichtig. Tschaikowsky hat nichts mit Putin zu tun. Sie sind sich nie begegnet und werden es auch nie."

Dr. Friedrich Spangemacher